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Windiges Wellington

Die letzten zehn Tage verbrachte ich in der wohl windigsten Stadt in der ich jemals war, nämlich in Wellington. Am ersten Tag fuhren wir auf den Gipfel eines Hügels und der Wind blies so extrem stark, dass ich im Stehen mitsamt meinem Bike umgewindet wurde und auf den Teer klatschte. Einige Wunden an Ellbogen und Beinen werden mich dieses Abenteuer nicht so schnell vergessen lassen... Abgesehen von dieser rauhen Einführung erlebte ich aber eine geniale Zeit in Wellington, entdeckte dank meinem kundigen Führer Tom zahlreiche herausfordernde Biketrails, erkundigte sogar eine Höhle der Goldgräber, lernte, um was es beim Haka und Rugby geht, sprang kopfüber vom Hafendamm ins Meer und natürlich liessen wir uns die legendären Sevens, ein Rugby-Festival bei dem jeder Einzelne verkleidet ist, nicht entgehen. Ein grosses Dankeschön an die Familie Bradshaw für die geniale Unterkunft und die tolle Unterhaltung!
Nun befinde ich mich in Rotorua, was als Hauptstadt der Mountainbiker in Neuseeland gilt. Heute Morgen machte ich mit Katie und Carl bereits einige der berühmt-berüchtigten Trails im Whakarewarewa Wald unsicher und kann's kaum erwarten, den Rest zu entdecken! :-)

 

Das letzte Rennen auf der Südinsel

Die nationalen neuseeländischen Meisterschaften wurden dieses Jahr in Nelson ausgetragen. Die abwechslungsreiche Strecke gefiel mir gut; sie bestand aus mehreren kurzen Aufstiegen und teils technischen Abfahrten kreuz und quer durch den Wald.

Wie immer startete unser Rennen um 14:00 Uhr nachmittags – was diesmal in der grössten Mittagshitze war. Gleich zu Beginn setzten sich Karen Hanlen und Rosara Josephs vom Feld ab und fochten den Kampf um den Titel in ihrer eigenen Liga aus. Karen war stärker und kürte sich mit einem klaren Vorsprung von drei Minuten zur nationalen Meisterin. Dahinter begann erneut der Kampf um Platz drei. Ich stach in der ersten Runde an dritter Stelle in die Abfahrt, dicht gefolgt von Fiona McDermid. In der zweiten Runde überholte sie mich, kurz darauf ich sie, sie mich erneut, und wieder ich sie - so dass ich vor ihr die dritte Runde in Angriff nahm, wo ich sie etwas distanzieren konnte. In der vierten Runde trat dann aber die Wende ein, und meine Energie verliess mich mehr oder weniger schlagartig, dafür begannen mein Rücken und mein Bauch zu schmerzen. Ausserdem brannte die Sonne ohne Erbarmen auf uns nieder und ich hatte nichts mehr zu trinken. Ich kämpfte weiter so gut es ging, doch anfangs der fünften und letzten Runde überholte mich Fiona und ich konnte ihr nicht mehr folgen. Nach einer Renndauer von 1:41 h überquerte ich folglich die Ziellinie an vierter Stelle. Fünfte wurde Katie O’Neill und an sechster Stelle klassierte sich Samara Sheppard.

Vielen Dank an Paul Cooper für die Wartung meines Bikes und ein grosses Dankeschön an die ganze Familie Cooper für die tolle Unterkunft während den letzten Wochen in Christchurch. Jetzt befinde ich mich gerade auf der Fähre von Picton nach Wellington, sprich von der Süd- auf die Nordinsel, die ich während den nächsten Wochen erkunden werde…

 

Rheintaler Sportlerin des Jahres 2011! :-)

Weiter weg von Zuhause könnte ich momentan nicht sein – und ausgerechnet jetzt werde ich zum ersten Mal zur Rheintaler Sportlerin des Jahres gewählt! Herzlichen Dank an alle, die für mich abgestimmt haben! Diese Auszeichnung wird jedes Jahr von unserer lokalen Zeitung „Der Rheintaler“ verliehen, und zwar für eine Sportlerin, einen Sportler, ein Team und ein Ehrenpreis. Den Preis „Sportler“ gewann dieses Jahr erneut Thomas Litscher – womit beide Ehrungen an Mountainbiker aus Thal gingen! :-) Es freut mich sehr, dass wir in unserer Heimat so gut unterstützt werden und unsere Leistungen anerkannt werden, was nicht selbstverständlich ist. An dieser Stelle möchte ich auch meinen Eltern danken, die mich rund ums Jahr bei allem, was ich tue, unterstützen und ohne die meine sportlichen Leistungen nicht möglich wären. Danke auch an meinen Bruder, der meinen Preis bei der Verleihung entgegen nahm und mich prima vertrat. ;-) Nicht zu vergessen sind ausserdem die Sponsoren, die diese Sportlerwahl erst ermöglichen, nämlich die Alpha Rheintal Bank, das Trainingscenter Heerbrugg, Leica Geosystems und Kuehnis Brillen - vielen Dank! Ich freue mich jetzt schon, wieder im schönen Rheintal zu trainieren und sende sonnige Grüsse aus Neuseeland!

 

Zweiter Lauf in Living Springs

Auch der zweite Lauf des neuseeländischen MTB Cups in Living Springs nahe Christchurch bestand, wie schon der erste Lauf, aus einem langen Aufstieg und einer einzigen Abfahrt. Anders als letztes Wochenende war die Abfahrt diesmal aber simpel gehalten und hatte keine schwierigen technischen Passagen.

Noch kurz vor unserem Start um 14:00 Uhr goss es wie aus Kübeln, doch pünktlich zum Start kam die Sonne hervor und trocknete die Strecke ab. Gleich nach dem Start setzte sich Karen Hanlen an die Spitze, wo sie während den nächsten zwei Stunden blieb und verdient gewann. Dahinter begann der Kampf um die Podestplätze. Im ersten Aufstieg lag ich noch an vierter Stelle, konnte in der Abfahrt aber zu Fiona McDermid aufschliessen und sie im zweiten Aufstieg distanzieren. In der zweiten Abfahrt holte ich Katie O'Neill ein, konnte ihr jedoch im dritten Aufstieg nicht mehr folgen. Von da an fuhr ich meinen eigenen Rhythmus, auch wenn ich nach jeder Spitzkehre wieder Katie oder Fiona sah, je nach dem ob ich nach vorne oder hinten schaute. Nach 1:42:42 h überquerte ich die Ziellinie als Drittplatzierte, total erschöpft und erledigt.

Bei einem gemütlichen Barbecue am gleichen Abend mit einigen anderen Bikern konnte ich mich zum Glück ideal erholen. Das ist auch nötig - denn nächstes Wochenede steht bereits die nächste Kraftprobe auf dem Programm, nämlich die neuseeländischen nationalen Meisterschaften in Nelson. Zwar kann ich dort keine Medaille gewinnen, doch interessant wird das Rennen bestimmt!

 

Einstieg in die Rennsaison

Der erste Lauf der neuseeländischen nationalen Serie fand in Dunedin auf der Südinsel statt. Die vorangehende Woche verbrachte ich mit der Familie Cooper in Central Otago in einem kleinen Dorf namens Naseby, das total ausgestorben ist und kein Internetanschluss hat, dafür aber einen ganzen Haufen Mountainbike Trails. Am Freitag fuhren wir nach Dunedin und erkundeten die Strecke. Sie bestand aus einem langen, recht steilen Aufstieg und einer tollen technischen Abfahrt. Da es in Dunedin oft regnet, war die Strecke total aufgeweicht und matschig; die Abfahrt eine reine Schlammschlacht.

Wir starteten um 14:00 Uhr am Nachmittag – bei strahlendem Sonnenschein, der überraschenderweise den ganzen Nachmittag anhielt. Alle Frauen starteten zusammen und wir nahmen die fünf bevorstehenden Runden unter die Räder. Ich merkte schon bald, dass meine Beine noch nicht bereit waren für solche Aufstiege, da ich erst ganz am Anfang meines Aufbaus stehe, und so musste ich die Spitze mit Rosara Josephs und Karen Hanlen ziehen lassen. In der Abfahrt im Schlamm kam ich ihnen aber näher und überholte sie beide, konnte sie ein wenig distanzieren und fuhr so nach der ersten Runde als Erste über die Ziellinie. JDas war aber auch das einzige Erfolgserlebnis des Tages, denn danach wurden meine Beine nur noch müder und ich versuchte mit Müh und Not diesen Hügel zu erklimmen. In der Abfahrt konnte ich immer wieder etwas Zeit gut machen, so dass mich die nächste Verfolgerin Katie O’Neill nicht einholte. Ich beendete das Rennen nach einer Renndauer von 1:45:44 h auf dem dritten Rang in der Elite Kategorie, inoffiziell auf dem ersten Rang der U23 Kategorie. Karen Hanlen fuhr ein starkes Rennen und gewann verdient vor Rosara Josephs.

Ein herzliches Dankeschön an die ganze Familie Cooper für deren wertvolle Unterstützung, an Annaliese für die Verpflegung, an Paul für die Reparaturen meines Bikes, an Laila für die köstlichen Menus, und Anton gratuliere ich für sein abartig schnelles Rennen, bei dem er alle Elite Fahrer um mehrere Minuten distanzierte und die Junioren Kategorie überlegen gewann.

Nun verbringe ich einige Tage in Queenstown, wo wir für einmal mehr Höhenmeter runter als rauf fahren, dank sei der genialen Gondel hier ;-). Nächstes Wochenende steht dann bereits der zweite Lauf der nationalen Serie auf dem Programm, in Living Springs bei Christchurch.

 

Alles Gute im neuen Jahr!

Ich wünsche euch alles Gute und ganz viel Spass im 2012 (denkt euch einfach noch eine 2 hinter meine Startnummer :-))! Liebe Grüsse aus Neuseeland, Jolanda

 
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